🏛 Vor Ort: Sintra - Von königlichen Sommern und Lusitanos
Sintra war schon zu Dom Duartes Zeit ein bevorzugter Aufenthaltsort des portugiesischen Königshauses. Die Spur führt von Palästen und versteckten historischen Stallungen bis zu den Lusitano-Züchtern und Reitern, die heute rund um Sintra arbeiten.
🏛 VOR ORT
Agnes
8/17/20264 min lesen


König Dom Duarte verbrachte besonders gern Zeit in Sintra. Ja, ja, da ist er schon wieder der König dem ich in diesem Monat so viele Artikel widme. Im 15. Jahrhundert nutzten die portugiesischen Herrscher den Palácio Nacional de Sintra zunehmend als Sommerresidenz. Und auch Dom Duarte hielt sich dort häufig auf. Die heutige Sala das Pegas, der Saal der Elstern, trug bereits zu seiner Zeit diesen Namen und diente dem Empfang von Würdenträgern und ausländischen Gesandten (QUELLE und QUELLE2).
Eine unmittelbare Verbindung zwischen Sintra und seinem Livro da Ensinança de Bem Cavalgar Toda Sela lässt sich daraus nicht ableiten. Wer den Palast besucht, kann sich jedoch die Welt des Königs ein bisschen besser vorstellen, der das Werk im 15. Jahrhundert schrieb. Reiten gehörte zur Ausbildung eines Prinzen ebenso wie der Umgang mit Waffen, die Jagd und das angemessene Auftreten bei Hofe. Dom Duarte beschäftigte sich in seinem Buch daher nicht allein mit Reittechniken. Er schrieb über Angst, Willenskraft, Körperbeherrschung und die Verantwortung des Reiters (mehr dazu HIER).
Sintra blieb über Jahrhunderte eng mit dem portugiesischen Königshaus verbunden. Später kamen Adelige, wohlhabende Bürger, Künstler und ausländische Besucher hinzu. Sie bauten Paläste, Landhäuser und Gärten in die bewaldeten Hänge der Serra de Sintra. Seit 1995 gehört die Kulturlandschaft von Sintra zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Entscheidend für den besonderen Charakter dieser Landschaft ist das Mikroklima der Serra de Sintra. Feuchte Luftmassen vom Atlantik treffen auf den Höhenzug, steigen auf und kondensieren. So können Nebel und Wolken über Sintra hängen, während in Lissabon die Sonne scheint (QUELLE). Vor allem die Nordseite ist kühl, feucht und dicht bewaldet. Auch geologisch weist das vulkanisch entstandene Massiv eine messbare magnetische Anomalie auf, was die Geschichten über geheimnisvolle Kräfte in der Serra beflügelt haben dürfte. Dass hier auch Handys bisweilen den Empfang oder die Orientierung verlieren, lässt sich vermutlich nüchterner mit dem Gelände und dem dichten Wald erklären. Ein wenig rätselhaft fühlt es sich trotzdem an, wenn mitten im Wald plötzlich weder Netz noch Navigation funktionieren und zum mystischen Ruf Sintras passt es ausgesprochen gut.
Versteckte Stallungen
Zu den bekanntesten Anlagen gehört die Quinta da Regaleira. Der wohlhabende Geschäftsmann und Sammler António Augusto Carvalho Monteiro ließ das Anwesen zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach den Plänen des italienischen Architekten und Bühnenbildners Luigi Manini umgestalten. Palast und Garten verbinden Elemente der Gotik, der Renaissance, der Manuelinik und der Romantik. Grotten, unterirdische Gänge, Türme und der berühmte Initiationsbrunnen sind mit christlichen, mythologischen und esoterischen Symbolen versehen.
Die Stallungen liegen gleich beim Eingang und werden von vielen Besuchern kaum beachtet. Dabei zeigen sie dieselbe Sorgfalt in der Gestaltung wie die repräsentativen Gebäude der Quinta. Pferde gehörten zum Alltag solcher Anwesen. Sie dienten der Fortbewegung, der Jagd und dem gesellschaftlichen Leben – und auch die zugehörigen Wirtschaftsgebäude sollten etwas über den Rang und den Geschmack ihrer Besitzer erzählen.
Eine weitere Pferdespur findet sich im Parque da Pena. Im westlichen Teil des Parks liegen die ehemalige Meierei und die Stallungen. Heute werden von dort Ausritte sowie Fahrten mit der Pferdekutsche durch den Park angeboten. Pferde gehören damit weiterhin zu jener Landschaft, die Dom Fernando II., der Gemahl von Königin Maria II., im 19. Jahrhundert rund um den Palácio da Pena gestalten ließ. Der aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha stammende Prinz heiratete Maria II. 1836. Im Jahr 1838 kaufte er das ehemalige Kloster auf dem Berg und ließ daraus den Palácio da Pena sowie den umgebenden Park gestalten (QUELLE).
Sintras heutige Pferdewelt
Pferde sind in Sintra nicht auf historische Stallungen und königliche Parks beschränkt. In der Umgebung arbeiten mehrere international bekannte Reiter und Züchter mit Lusitanos.
In Penha Longa befindet sich die Academy Pedro Torres. Der portugiesische Reiter wurde vor allem durch seine Erfolge in der Working Equitation bekannt und bildet heute Pferde und Reiter fĂĽr unterschiedliche Disziplinen aus. Seine Arbeit zeigt, wie sich aus der traditionellen portugiesischen Gebrauchsreiterei eine international betriebene Sportart entwickelt hat (QUELLE).
Ebenfalls in Sintra liegt die Coudelaria Quinta dos Cedros. Dort werden Lusitanos gezüchtet und sportlich ausgebildet. Pferde aus der Zucht waren unter anderem in Prüfungen für junge Dressurpferde erfolgreich. Die Anlage ist ein Ausbildungs- und Leistungszentrum und keine reguläre touristische Sehenswürdigkeit. Ein Besuch muss daher, wie auch bei allen anderen hier vorgestellten Betrieben, vorher vereinbart werden (QUELLE).
Weiter westlich arbeiten Jacobo Botero Nieto und seine Frau EspĂrito Santo Botero. Der gebĂĽrtige Kolumbianer kam mit zwölf Jahren nach Portugal und wurde zunächst als Cavaleiro tauromáquico ausgebildet. Heute konzentriert sich das Paar unter dem Namen Botero Horses auf die Präsentation, Zucht und den Verkauf von Lusitanos.
Bekannt ist die Familie vor allem durch Instagram. Dort zeigt das Paar seinen Alltag mit den Pferden und ihren beiden Söhnen Jacobito und José Tomás. Besonders Jacobito, der regelmäßig mit den Pferden zu sehen ist, begeistert viele Follower. Mariana ist selbst Reiterin und Unternehmerin. Sie präsentiert Pferde, ist auch in portugiesischer Reitkleidung und im Damensattel zu sehen und prägt den öffentlichen Auftritt von Botero Horses wesentlich mit. Mit ihrem eigenen Instagram-Profil erreicht sie ebenfalls ein großes Publikum (QUELLE).
Damit lässt sich rund um Sintra ein erstaunlich breites Spektrum portugiesischer Pferdekultur – von historisch bis hin zu modernen Sport- und Zuchtbetrieben – entdecken.
Für die berühmten Paläste sollte man ausreichend Zeit einplanen. Palácio Nacional de Sintra, Quinta da Regaleira und Palácio da Pena lassen sich kaum sinnvoll an einem einzigen Tag besichtigen. Auch Monserrate und das Castelo dos Mouros lohnen einen eigenen Besuch. Wer bis zur Küste weiterfährt, erreicht Azenhas do Mar und das Cabo da Roca, den westlichsten Punkt des europäischen Festlandes.






Buchhinweis:
In „Auf den Spuren des Lusitanos“ erzähle ich ebenfalls von Dom Duarte, den historischen Reitweisen und vielen weiteren Persönlichkeiten, die die portugiesische Reitkunst geprägt haben.


