📖 Aus den Quellen – Was steht in Dom Duartes Buch über das Reiten?
Was steht in Dom Duartes Reitbuch? Ein Blick auf Sitz, Angst, Unterricht sowie die Reitweisen Brida und Gineta im Portugal des 15. Jahrhunderts.
📖 AUS DEN QUELLEN
Agnes
8/24/202611 min lesen
Je länger ich mich mit Dom Duartes Reitbuch beschäftigt habe, desto moderner wirkte es auf mich. Der portugiesische König aus dem 15. Jahrhundert schreibt über die Angst davor vom Pferd zu fallen, über fehlende Übung und falschen Ehrgeiz. Er fragt, warum eine Aufgabe misslingt und was ein Lehrer tun kann, damit ein Reiter sicherer wird. Das Pferd wird dabei thematisiert, doch Dom Duarte hat sich vor allem mit dem Menschen im Sattel beschäftigt.
Eine wichtige Hilfe bei meiner Lektüre waren die Arbeiten von Carlos Henriques Pereira. Er hat dem Livro da Ensinança de Bem Cavalgar Toda Sela mehrere Studien gewidmet und den Text gemeinsam mit Anne-Marie Quint ins Französische übertragen. Seine historische Einordnung verbindet er mit einem genauen Blick auf die Reitpraxis. Ich halte seine Arbeiten für die bislang überzeugendste Analyse des Buches. Deshalb werde ich mich im Folgenden immer wieder auf Pereira beziehen.
Pereira interessiert an dem Werk vor allem die Pädagogik. Die meisten späteren Reitbücher beschäftigen sich vor allem mit der Ausbildung des Pferdes. Dom Duarte beginnt beim Reiter: Was muss er mitbringen? Wie lernt er? Und wie lässt sich verhindern, dass Angst oder übertriebener Ehrgeiz ihm im Weg stehen? Pereira liest das Buch deshalb als frühe Abhandlung über die mentale Vorbereitung des Reiters. Das trifft den Inhalt auch tatsächlich besser als die Vorstellung von einer mittelalterlichen Reitanweisung.
Aus Erfahrung aufgeschrieben
Dom Duarte legt Wert darauf, nur über Dinge zu schreiben, die er selbst lange geübt hat. Vom Hörensagen hält er wenig. Die eigene Erfahrung ist für ihn eine der zuverlässigsten Quellen des Wissens.
Gleichzeitig weiß er, wo die Grenzen eines Buches liegen. Manche Dinge lassen sich aufschreiben, andere muss ein erfahrener Reiter zeigen. Geeignete Pferde, regelmäßige Übung und ein guter Lehrer bleiben notwendig. Das klingt auch nach fast 600 Jahren noch vertraut: Auch 700 gespeicherte Instagram-Reels ersetzen keinen guten Unterricht.
Zu seiner Zeit kennt der König kein anderes Werk, das die von ihm thematisierte „Wissenschaft“ auf vergleichbare Weise behandelt. Möglicherweise war ihm also bewusst, dass er dabei war, etwas Ungewöhnliches zu tun. Reitwissen wurde zu seiner Zeit vor allem mündlich weitergegeben. In Büchern fand man eher etwas über Pferdeheilkunde, Haltung, Zucht oder Gebisse als über das Reiten selbst. Dom Duarte wollte sein praktisches Wissen ordnen und für andere Reiter festhalten.


Wille, Möglichkeiten und Wissen
Am Anfang stehen drei Begriffe: vontade, poder und saber – Wille, Möglichkeiten und Wissen. Poder meint dabei nicht die Macht über das Pferd. Dazu gehören die körperlichen Voraussetzungen des Reiters, aber auch die finanziellen Mittel für Pferde und Ausrüstung.
Alter, Körperfülle oder geringe Kraft lässt Dom Duarte als grundsätzliche Ausschlussgründe nicht gelten. Er habe ältere und körperlich schwächere Menschen gesehen, die dennoch gut ritten. Entscheidend sei, wie jemand mit seinen Voraussetzungen umgehe. Einsicht, Übung und ein fester Wille könnten manche Schwäche zumindest teilweise ausgleichen. Dafür müsse der Reiter allerdings seine Stärken und Fehler kennen.
Pereira sieht darin ein Grundprinzip des Buches: Der Reiter soll sich selbst kennen, das Pferd verstehen und die Reitkunst beherrschen. Spannend finde ich, dass Dom Duarte bereits auf die finanziellen Mittel eingeht, die nötig sind, um gute Pferde zu kaufen und zu unterhalten. Dazu schreibt er: „Wer für beides einen starken Willen und viel Sachkenntnis mitbringt, dem werden die nötigen Mittel nur selten fehlen. Denn Spielern fehlt es schließlich auch nicht an Geld zum Spielen und Trinkern nicht an Geld, das sie für besonders gute Weine ausgeben.“
Ein durchaus lustiger Vergleich. Auch wenn es zu Dom Duartes Zeiten vermutlich noch keine Schibbi-Schabbis in drölftausend Farben von einschlägigen Marken zu sammeln gab, wusste er offenbar schon, wie zuverlässig ein Pferd dafür sorgt, dass sich für vermeintlich unverzichtbare Anschaffungen plötzlich doch noch Geld findet.
Zur Pferdehaltung äußert er sich an dieser Stelle ebenfalls. Er erwähnt die Versorgung im Sommer und Winter, den richtigen Futterzustand, Krankheiten sowie die Aufzucht und Ausbildung junger Pferde. Ausführlich behandelt er diese Themen nicht. Dafür verweist er auf die Bücher über Pferdeheilkunde, die es bereits gab.
Reiten lernen ohne Angst
Besonders nah kommt mir der Text dort, wo Dom Duarte über guten Unterricht schreibt. Seine Überlegungen richten sich nicht nur an den Schüler, sondern auch an den escudeiro, der jüngere Reiter anleitet. Pereira versteht darunter an dieser Stelle einen erfahrenen Reiter oder Ausbilder.
Dieser Lehrer soll sehr genau hinsehen. Wenn eine Aufgabe misslingt, muss er herausfinden, woran es lag. Hat der Reiter das Ziel nicht richtig gesehen? Hat er eine falsche Entscheidung getroffen? Oder konnte er die notwendige Bewegung noch nicht ausführen?
Dom Duarte erklärt das am Lanzenstechen. Ein Reiter kann sein Ziel verfehlen, weil er im entscheidenden Moment die Augen schließt, die Lanze nicht sicher führt, sein Pferd nicht richtig lenkt oder durch Angst gehemmt wird. Das Ergebnis sieht jedes Mal gleich aus: Er trifft nicht. Die Ursache kann jedoch eine ganz andere sein. Ein verfehltes Ziel ist für Dom Duarte noch keine Diagnose.
Pereira erkennt darin eine erstaunlich systematische Art zu unterrichten. Der Lehrer beobachtet, sucht nach der Ursache, wählt eine passende Übung und schaut anschließend erneut hin. Schwierige Bewegungen werden zunächst in kleinere Aufgaben zerlegt und später wieder zusammengesetzt.
Für Anfänger empfiehlt Dom Duarte ein gesundes, zuverlässiges Pferd und eine gut angepasste Ausrüstung. Der Lehrer soll mehr loben und weniger tadeln. Vor allem darf er den Schüler nicht entmutigen oder dessen Angst noch verstärken. Die Anforderungen wachsen erst nach und nach. Später kann der Reiter andere Pferdetypen kennenlernen und schließlich auch mit kleineren, aber ungefährlichen Unarten umgehen lernen.
Das Ziel ist keine Ausbildung ohne jede Schwierigkeit. Wer immer nur vollkommen harmlose Pferde reitet, entwickelt sich nicht weiter. Dom Duarte sucht jedoch sehr bewusst nach dem richtigen Maß. Das Pferd muss zum Können des Reiters passen, und der nächste Schritt darf fordern, ohne unnötig zu gefährden.


Angst ist nicht immer gleich
Der Angst widmet Dom Duarte erstaunlich viel Raum in seinem Buch. Manche Menschen sind von Natur aus mutig. Andere unterschätzen die Gefahr, handeln aus Wut oder Ehrgeiz oder wissen schlicht nicht, worauf sie sich einlassen. Wieder andere haben durch Erfahrung gelernt, mit einer Situation umzugehen.
Furchtlosigkeit ist für ihn deshalb nicht automatisch eine Tugend. Zu viel Mut kann genauso zu Fehlern führen wie zu viel Angst. Der Reiter soll Gefahren erkennen und unterscheiden lernen, was tatsächlich riskant ist und was lediglich in seiner Vorstellung immer gefährlicher wird.
Dom Duarte beobachtet auch, dass Menschen nicht vor denselben Dingen Angst haben. So würden manche nicht kämpfen wollen, blieben auf dem Meer aber ruhig. Andere hätten vor beidem Angst, begegnen dafür aber einer Seuche erstaunlich gelassen. Angst ist bei ihm keine unveränderliche Charaktereigenschaft. Sie hängt von der Situation, vom Wissen und von den bisherigen Erfahrungen eines Menschen ab.
Gute Erfahrungen und regelmäßige Übung können sie verringern. Wer schnelle oder anspruchsvollere Pferde lange meidet, wird eventuell unsicherer. Für Pereira liegt hier der Kern von Dom Duartes mentaler Vorbereitung des Reiters.
Herz und Verstand
Dom Duarte verlangt nicht, Gefühle einfach zu unterdrücken. Er unterscheidet verschiedene Formen des Willens. Ein spontaner Wunsch kann aus Vergnügen, Ehrgeiz oder einer starken Emotion entstehen. Der vernünftige Wille prüft, ob eine Handlung in diesem Moment wirklich angemessen ist.
Pereira beschreibt Dom Duartes Pädagogik deshalb als Zusammenspiel von razom und coraçom – Vernunft und Herz beziehungsweise Gefühl. Wissen allein genügt nicht. Ein Reiter kann genau wissen, was er tun sollte, und dennoch durch Angst, Scham oder Hast daran gehindert werden. Umgekehrt kann ein starker Wille gefährlich werden, wenn er nicht mehr von der Vernunft gelenkt wird.
Guter Unterricht muss deshalb Herz und Verstand erreichen. Kadavergehorsam und militärischer Drill sollten heute längst passé sein. Bemerkenswert ist, dass ein König des 15. Jahrhunderts bereits mehr Lob, passende Pferde und eine schrittweise Steigerung der Anforderungen empfahl.
Was ein guter Reiter können sollte
Im Hauptteil kündigt Dom Duarte sechzehn Eigenschaften und Kenntnisse eines vollkommenen Reiters an. Er soll sicher auf dem Pferd bleiben, seine Angst beherrschen, gefasst und beweglich sein, eine gute Hand besitzen und Sporen sowie Gerte angemessen einsetzen. Außerdem muss er Gefahren erkennen, sich im Gelände zurechtfinden und lange Strecken bewältigen können, ohne sich oder sein Pferd unnötig zu erschöpfen.
Auch das Wissen über das Pferd gehört dazu. Der Reiter soll Pferdemäuler und Gebisse beurteilen, Fehler korrigieren und die guten Eigenschaften eines Pferdes bewahren und fördern. Er soll sie nicht durch unbeherrschten Eifer oder mangelndes Wissen verschlechtern.
Dom Duarte hatte also noch einiges vor. Von den sechzehn angekündigten Themen führte er jedoch nur einen Teil aus. Vieles spricht dafür, dass das Reitbuch unvollendet blieb. Ob einzelne weitere Abschnitte verloren gingen, lässt sich nicht völlig ausschließen – belegen lässt es sich aber nicht.
Fünf Arten zu reiten
Besonders spannend ist Dom Duartes Blick auf die verschiedenen Reitweisen seiner Zeit. Er unterscheidet fünf Formen: das Reiten im Bravante-Sattel mit langen Steigbügeln und gestreckten Beinen, einen tiefen Sitz ohne nennenswerte Unterstützung durch die Steigbügel, das Reiten im Gleichgewicht über den Steigbügeln, den Gineta-Sitz mit kurzen Bügeln und angewinkelten Beinen sowie das Reiten ohne Steigbügel auf dem bloßen Pferderücken oder einer einfachen Unterlage.
Pereira schreibt, dass die erste und die dritte Form vermutlich der Brida-Reiterei zuzuordnen seien. Diese war eng mit schwerer Kavallerie, Turnieren und dem Lanzenstechen verbunden. Der Bravante-Sattel besaß hohe Galerien, die dem Reiter beim Zusammenstoß mit einem Gegner Halt geben sollten.
Die zweite Form kannte Dom Duarte nach eigener Aussage aus England und einigen Regionen Italiens. Der Reiter saß tief im Sattel und verließ sich kaum auf die Steigbügel. Die fünfte Form, das Reiten ohne Steigbügel und teilweise sogar ohne Sattel, brachte er mit den Iren in Verbindung.
Die vierte Reitweise entspricht der Gineta. Der Reiter sitzt mit kürzeren Steigbügeln, angewinkelten Beinen und engem Kontakt zum Pferd. Dom Duarte verlangt, dass er in der Mitte des Sattels bleibt, die Füße sicher in den Steigbügeln hält und die Fersen senkt. Die Beine sollen das Pferd gleichmäßig umschließen, ohne sich ständig festzuklammern. Pereira betrachtet Dom Duarte als den ersten Autor, der diese iberische Reitweise definiert.
Die Wurzeln der Gineta liegen in den Reitweisen nordafrikanischer Berber. Sie eignete sich für wendige Pferde, schnelle Richtungswechsel und den beweglichen Kampf mit leichteren Waffen. Die Brida des nördlichen Europas war stärker auf den frontalen Zusammenstoß schwer bewaffneter Reiter ausgerichtet.
Dom Duarte kannte also verschiedene europäische und iberische Reitweisen. Sein Buch beschreibt noch keine abgeschlossene portugiesische Methode. Ein guter Reiter sollte sich vielmehr auf unterschiedliche Sättel und Sitzformen einstellen können. Ein Engländer oder Franzose könne nicht einfach in einen Gineta-Sattel mit kurzen Steigbügeln steigen und erwarten, darin sofort zurechtzukommen.
Sicher, gefasst und beweglich
Wie sich der Reiter auf dem Pferd hält, hängt für Dom Duarte also vom Sattel, aber auch vom Pferd und von der jeweiligen Aufgabe ab. Er kann sich über die Ausrichtung seines Körpers, den Schluss der Beine und die Steigbügel stabilisieren. Im Notfall darf er sich auch mit den Händen festhalten. Eine allgemeingültige Sitzformel gibt es bei ihm nicht.
Einer seiner zentralen Begriffe ist soltura. Pereira übersetzt das ins Französische mit décontraction (= Entspannung, Ungezwungenheit). Das erfasst jedoch nur einen Teil seiner Bedeutung. Soltura meint auch Beweglichkeit, Geschicklichkeit und die Fähigkeit, einzelne Körperteile unabhängig voneinander einzusetzen.
Der rechte Arm führt die Waffe, die linke Hand hält die Zügel, die Unterschenkel wirken auf das Pferd ein. Der Rumpf soll dabei stabil bleiben. Bei der Jagd und im Kampf war diese Unabhängigkeit überlebensnotwendig.
Dom Duarte achtet sogar auf das Gesicht. Der Reiter soll seine Fassung in Körper und Gesicht bewahren und Sicherheit ausstrahlen. Wenn ich diese Stelle lese, muss ich doch sehr an heutige Reitstunden denken, in denen wir neurozentrierte Übungen durchführen lassen, den Schülern durchaus auch mal raten, zum Kieferorthopäden zu gehen oder sie ganz simpel einladen: „Lächle mal – Reiten macht Spaß!“ Oder ans Weiteratmen erinnern.
Natürlich kannte Dom Duarte die neurologischen Zusammenhänge nicht, mit denen wir solche Hinweise heute erklären. Trotzdem beobachtete er genau, dass Angst und Unsicherheit den Körper verändern. Darin lässt sich eine Parallele zu heutigen neurozentrierten Ansätzen erkennen, bei denen Blick, Mimik und Atmung als Ausdruck des Erregungszustands und als mögliche Zugänge zu seiner Regulation betrachtet werden.
Jagd, Lanzenstechen und Stiere
Viele der beschriebenen Fertigkeiten gehörten zum Alltag eines Ritters. Dom Duarte erklärt den Umgang mit Lanze und Schwert, berittene Zweikämpfe und die Jagd. Auch hier ist der Sitz vor allem praktisch. Der Reiter muss sein Pferd lenken, Gelände und Gegner im Blick behalten und zugleich eine Waffe führen.
Pereira sieht das Werk außerdem als wichtige Quelle für die frühen Formen der Gineta-Reiterei und des berittenen Kampfes gegen Stiere. Dom Duarte behandelt den Stier gemeinsam mit Bären und Wildschweinen als gefährliches Großwild. Er beschreibt, wie man sich nähert, wohin die Lanze geführt wird und wie das Pferd anschließend ausweichen soll.
Berittene Kämpfe mit Stieren sind in Portugal seit dem frühen 13. Jahrhundert belegt. Die früheste bekannte Quelle stammt aus dem Jahr 1258 und berichtet rückblickend, dass bereits König Sancho I. Stiere zu Pferd mit der Lanze bekämpfte. Eine tourada im späteren Sinne war das noch nicht. In Dom Duartes Buch gehört der Stier zur Jagd im offenen Gelände und soll möglichst schnell getötet werden. Auch bei höfischen Festen wurden Stiere mit der Lanze angegriffen. Die spätere portugiesische Stierkampfkunst in der Arena entwickelte sich erst danach.
Mit Maß einwirken
Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass Dom Duarte schon davon schreibt, dass zu heftiges Treiben das Pferd erschöpfe, die Zügelführung störe und den Reiter aus der Ruhe bringe. Ein Pferd, das in vernünftigem Tempo eine lange Strecke bewältigen könne, würde durch übermäßigen Sporengebrauch viel schneller müde.
Pereira erkennt darin einen Gedanken, der sich durch das ganze Buch zieht: Der Lehrer soll taktvoll mit seinem Schüler umgehen, der Reiter ebenso mit seinem Pferd. Dom Duarte verlangt Gehorsam und sichere Beherrschung. Unnötige Härte und unüberlegte Einwirkung lehnt er ab.
Ein Buch über das Reitenlernen
Pereira spricht deshalb von einer verhaltensorientierten Reiterei. Der Begriff passt zu Dom Duartes genauer Beobachtung des Reiters: Wie wirken sich Angst, Wissen, Ehrgeiz, Erfahrung und Gewohnheit auf das Reiten aus?
Das Pferd bleibt dabei keineswegs außen vor. Es muss zum Schüler passen. Der Reiter soll seine Eigenschaften erkennen, seine Gesundheit und seine guten Anlagen bewahren und es nicht durch mangelndes Wissen oder unbeherrschten Eifer verschlechtern.
Was wir lesen können, ist vor allem ein Buch über den Menschen im Sattel. Dom Duarte beobachtet, wie Reiter lernen, warum sie scheitern und was ihnen helfen kann. Viele seiner Beispiele stammen aus einer Welt der Lanzen, Schwerter und berittenen Jagden. Die Fragen, die er stellt sind heute noch genauso aktuell wie damals: Warum hält ein Reiter den Atem an? Warum schaut er nach unten? Und warum hilft dieselbe Korrektur dem einen, während sie den anderen nur noch unsicherer macht?
Quellen und Literatur
Carlos Henriques Pereira: Étude du premier traité d’équitation portugais. Livro da Ensinança de Bem Cavalgar Toda Sela du roi Dom Duarte. L’Harmattan, Paris 2001.
Carlos Henriques Pereira: Naissance et renaissance de l’équitation portugaise. Du XVe au XVIIIe siècle d’après l’étude des textes fondateurs. L’Harmattan, Paris 2010. Die zugrunde liegende Untersuchung ist online einsehbar.
Dom Duarte: Le traité des équitations. Livre qui enseigne à bien pratiquer toute équitation. Übertragen und herausgegeben von Anne-Marie Quint und Carlos Pereira. Actes Sud, Arles 2016.
Carlos Henriques Pereira: „Le cheval, l’art et la littérature équestre portugaise au Moyen Âge. Présentation des œuvres équestres de Mestre Giraldo et El Rei Dom Duarte“, 2002. Online bei Persée.
Dom Duarte: Livro da Ensinança de Bem Cavalgar Toda Sela, herausgegeben von Joseph M. Piel, Lissabon 1944.
Jeffrey L. Forgeng: The Book of Horsemanship by Duarte I of Portugal. Boydell Press, 2016.
Wikimedia/Stundenbuch von Dom Duarte, São Jorge, zwischen 1428 und 1433 - besonders interessant ist der Sattel hier mit hoher Galerie, die gleichzeitig das gestreckte Bein zu schützen scheint.


Ein Reiter weicht dem Angriff seines Gegners aus. Abbildung aus António Galvão de Andrades Arte da Cavallaria de Gineta e Estardiota, Lissabon 1678. Die Darstellung entstand mehr als zwei Jahrhunderte nach Dom Duarte, veranschaulicht aber die Beweglichkeit, die beim berittenen Kampf notwendig war. Biblioteca Nacional de Portugal, Public Domain.
Mitteleuropäischer Prunksattel, um 1400–1420. Er ist nicht als Bravante-Sattel belegt, vermittelt aber einen Eindruck von der Form mittelalterlicher Sättel zu Dom Duartes Zeit. Metropolitan Museum of Art, New York, Public Domain.
Buchhinweis:
In „Auf den Spuren des Lusitanos“ erzähle ich ausführlicher von Dom Duarte, den historischen Reitweisen und den Persönlichkeiten, die die portugiesische Reitkunst geprägt haben.


